Das erste
Konzert des Jahres ist Geschichte! Das man es als Neujahrskonzert
betitulierte scheint ein geschickter Promotiongag des Veranstalters
gewesen zu sein, denn sämtliche Veranstaltungen dieser Tournee
in Bayern bekamen diesen Stempel aufgedrückt. Das aber nur am
Rande. Neuland war es für mich alle mal, da es das erste
Konzert in der neuen Basketballheimstätte des
ortsansässigen Bundesligist gewesen ist. Einen Anfahrtsweg von
20 Minuten ohne Umsteigen nenne ich dabei Luxus, spielt aber weniger
eine Rolle. Für gute Acts nehme ich auch gern weitere Wege in
Kauf.
Die
Atmosphäre in der Halle war eine Mischung aus
unterkühlter Zurückhaltung und emotionaler
Beseeltheit. Da haben wir dann auch wieder das Problem, dass ein rein
bestuhltes Konzert auch eine Hemmschwelle in den Emotionen der Leute
hervorrufen kann, diese auch einmal zu verlassen. Im Gesamtpaket
empfand ich die Stimmung aber als gut. Die Leute wussten, warum sie an
diesem Abend in der nicht ganz ausverkauften Halle waren. Sie wollten
die Topscorer der Musik aus vergangen Tagen sehen und hören.
Dazu gab es
ein Gipfeltreffen, was man so nicht alle Tage zu sehen bekam. Ian
Gillan (Deep Purple), Steve Lukather (Toto), Chris Thompson (Manfred
Mann‘s Earth Band), Jimmi Jamison (Survivor) und die kleine
Amerikanerin Robin Beck, die durch ihren Werbehit „First
Time“ weltweit bekannt geworden war, standen an
einem
einzigen Abend gemeinsam auf einer Bühne. Das hätte
man vor einigen Jahrzehnten so nicht bekommen. „First
Time“ ist auch irgendwie für mich das
Motto des
Abends. Die Songs habe ich unzählige Mal schon im Radio
gehört. Nun habe ich die dazugehörigen
Überlebenden zum ersten Mal auch Live erleben dürfen.
Irgendwie fand ich es gut! So ne Art „Chartshow“
mit Livefeeling. Das hatte was...
Begleitet
wurden die Legenden von der Matt
Sinner Band, die für den richtigen druckvollen Durchzug in der
Halle sorgte. Eingehüllt wurde dieser Rocksound
durch ein
Gewand aus filigranen Tönen des Bohemian Symphony Orchestra
aus Prag, die bei diesem Event als Aufmacher dienen sollten.
„Rock meets Classic“ - das war das Logo der
Veranstaltung! Rock trifft auf Klassik und nicht umgekehrt - das Motto
haben die Verantwortlichen teilweise zu ernst genommen und die
beteiligten Musiker und niedlichen Musikerinnen des Orchester zu sehr
in den Hintergrund gerückt. Das Orchester war bei zu vielen
Songs
nur Beiwerk, was man
sich wie eine Kette um den Hals gehangen hatte. Das ist eine
Vorgehensweise die scheinbar nur in Verbindung mit Metallica wirklich
überzeugend funktioniert. Die scharfe Kritik der
Presse, dass
das Orchester
komplett in der Halle untergegangen ist, kann ich so nicht
bestätigen. Dieses kann aber daran liegen, dass ich seitlich
vor
der
Bühne (2. Reihe) unterhalb der Boxentraverse an der Decke
gesessen habe. Zumindest bei den ruhigen Songs und den Soloeinlagen vom
Orchester konnte ich diesen feinmaschigen Sound des Orchester
spürbar vernehmen. Vielleicht wäre es hier gleich
angebracht
gewesen, wenn man die Rocksongs für das Orchester neu
arrangiert
hätte, so dass diese komplett im anderen Glanz erstrahlen.
Dieses
Phänomen ist aber nicht neu und ich habe in der
Umsetzung von
Symphonic Rock Konzerten in den
letzten Jahren auch schon schlimmeres miterleben dürfen. Es
ist
halt
schwierig, E - Gitarren und Schlagzeug so auf ein Orchester
abzustimmen, dass beide Klangwelten gleichberechtigt in der Halle
agieren können. Gerade beim Schlagzeuger hatte ich zumindest
das
Empfinden, dass er sich in gewissen Phasen bereitwillig auf das
Orchester zu
bewegte. Das sieht jeder aber sicherlich etwas anders.
Wichtiger
ist, dass ich zufrieden die
Halle am Abend verlassen habe. Für mich war es trotz einiger
Schwachstellen ein Konzerterlebnis, was ich in dieser Form gern
wiederholen würde. Der Reiz, den dieses Aufeinanderzugehen
von unterschiedlichen Musikwelten mit sich bringt, wird mich auch in
Zukunft nicht loslassen. Für mich war es ein gelungenes
Konzert mit vielen Highlights, an die ich mich gern
zurückerinnern werde...