Orchester Prag

Die goldene Stadt an der Moldau hat nicht nur wunderschöne Sehenswürdigkeiten zu bieten. Auch in Sachen Symphonic trifft auf Rock und Pop gehört die Stadt zu einem der führenden Exportschlager in Europa. Mit den Prager Symphoniker und dem Philharmonischen Orchester Prag haben sie gleich zwei Orchester, die vor allem in der jüngeren Geschichte Metal- und Rockgeschichte geschrieben haben. Weitere Orchester führen diese Erfolgsgeschichte fort und versuchen diesen Hohen Berg der Perfektion zu erklimmen.

Das Sinfonie Orchester Prag gilt für mich als Begründer meiner klassischen Metal- und Rocklinie. Es wurde 1934 von Rudolf Pekárek gegründet und verdingt sich seither im Bereich von Film, Oper und Konzerten. Daher trägt dieses Orchester auch den Beinamen FOK, was für die Abkürzung der drei Genres steht. Seit 1996 begleitet mich dieses Orchester bei meinen Ausflügen in die symphonischen Welten des Rock und Metal und hat sich diesbezüglich einen Ruf erarbeitet, den so mach ein Musiker gern habe würde. Sobald dieser Name in Verbindung mit Rock- und Metalgruppen gebracht wird, werde ich stark sensibilisiert.

Das Philharmonische Orchester Prag ist der jüngere Bruder seines bekannten Pendant. Es wurde 1955 von dem Deutschen Friedemann Riehle gegründet und macht sich mit zahlreichen CD Aufnahmen für bekannte Plattenlabels einen Namen. Die legendären Neujahrskonzerte sind in der Prager Musikszene nicht mehr wegzudenken.

Das Bohemian Sinfonie Orchester Prag wurde im Jahr 2000 von Martin Šanda gegründet und ist für sein hohes Niveau und seinen perfekten Klang in der Klassikbranche nicht mehr wegzudenken. Das Orchester wagt sich an schwierige Stücke und führt diese auf der ganzen Welt auf. Zahlreiche Tourneen zeugen von ihrer klassischen Inspiration.

Das ist eine Verbindung, die wie die Faust aufs Auge passt. Peter „Peavy“ Wagner geht mit seinen damaligen Mitstreitern Sven Fischer, Spiros und Christos Efthimiadis ungewöhnliche Weg und wird dafür mit sehr viel Beifall belohnt, der bis heute anhält. Als erste deutsche Metalband verbindet Peavy die Metaltracks aus den früheren Jahren mit den Klängen eines Sinfonieorchester. Dabei werden die wenigen Songs so perfekt umgewandelt, dass sie zu einer neuen Form des Metal verschmelzen, der die Band bis heute beschäftigt, auch wenn sich die personelle Besetzung  im Laufe der Zeit stark verändert hat. Das Lingua Mortis Album gehört für mich zu den stärksten Ausuferungen, wenn es darum geht, dass Musiker ihre Songs mit einem Sinfonieorchester veredeln lassen. Seit 1996 steht dieses Album auf meiner persönlichen Symphonic Play Chartsliste ganz oben. Dieses Album war der Anfang einer symphonischen Plattensammlung, die sich mit diesem Bereich der Musik auseinandersetzt und die bis in die heutige Zeit fortgeführt wird. Wer mehr über diese Geschichte erfahren möchte, der kann dieses HIER tun.

Um es gleich richtig zu schreiben: Es handelt sich hier um die Band Barclay James Harvest feat. Les Holroyd (BJHFLH). Seit 1998 wird die Band von den ehemaligen Mitgliedern der Band in zwei unterschiedlichen Formationen weitergeführt. Die DVD „Classic meets Rock“ entstand im Jahr 2006 in Frankreich und zeigt einen Mitschnitt ihrer erfolgreichen Tournee mit den Pragern Philharmonikern. Da ich kein Fan dieser Progrock - Geschichte bin, kann ich über die Songs nicht wirklich viel sagen. Für mich sind die hier aufgezeigten Tracks allesamt Neuland, die ich nun aus dem Augenwinkel des Symphonic Rock betrachte. Dieses ist dabei sehr gelungen. Die Songs wirken allesamt recht ruhig, was dem Orchester sehr entgegen kommt. Die Prager Philharmoniker können sich dadurch verstärkt in den Vordergrund spielen, was dieser Aufzeichnung sichtlich gut tut. Hier wurde wieder einmal eindrucksvoll dargestellt, worauf es ankommt, wenn man sich mit einem Orchester verbindet. Hervorragend finde ich das rücksichtsvolle Spiel der Band, ohne dem Orchester eine unlösbare Aufgabe zu stellen. Beide musikalischen Klangkörper wirken als Einheit.

Pünktlich zu ihrem 25jährigem Jubiläum verwöhnen sich Helloween mit einem Geschenk, was sie sich nicht nur selbst mach, sondern ihren Kritikern der letzten Jahre zum Fraß vorwerfen, damit sie ihren Dolch ihnen wieder in den Rücken stoßen können. So zumindest empfinde ich das gesamte Album, was Helloween, mit der Unterstützung vom ehemaligen Maffaygitarristen Andreas Becker, auf den Markt werfen. Getroffen haben sie mit Sicherheit viele an den Kopf, obwohl in dieser Zusamenfassung eine Menge an Kreativität steckt. In diesen Bereich meiner Ausführungen interessiert eigentlich nur der 17minütige „The Keepers Trilogy“ Track - der mit dem Prager Sinfonie Orchester aufgenommen wurde. Das Orchester beweist auch im Bann von Helloween, dass sie seit ihrer Lingua Mortis Metamorphose so ziemlich jedes Metalgewitter perfekt beherrschen. Dabei werden die Helloweensongs „Helloween“, „The Keepers of the seven Keys“ und „The King for a 1000 Years“ in einer perfekten Inszenierung als Metalsinfonie zusammengeschraubt, die den Freunden solcher Kombinationen gefallen dürften. Das Orchester baut bei diesem Stück einen Spannungsbogen, der an Filmklassiker alà Hollywood erinnern und zu einem musikalischen Erkwicken führen, dass für vieles entschädigt, was auf dem Album ein wenig schief gegangen ist.

Ein Gipfeltreffen des Rock konnte ich Anfang des Jahres 2012 in einer neu errichteten Basketballhalle erleben. Ian Gillan (Deep Purple), Steve Lukather (Toto), Chris Thompson (Manfred Mann‘s Earth Band), Jimi Jamison (Survivor) und Robin Beck traten an einem Abend gemeinsam auf einer Bühne auf. Dadurch konnte ich solche Welthits wie „Smoke on the Water“, „Rosanna“, „Africa“, „Hold the Line“, „First Time“, „Tears in the Rain“, „Burning Heart“, „Eye of the Tiger“, „The Voice“, „Dave‘s on the Road again“, „Blinded by the Light“ oder „Mighty Quinn“ einmal Live auf einer Bühne von den Orginalinterpreten gesungen erleben. Das war schon einmal ein Erlebnis. Dass diese sich mit dem Bohemian Symphony Orchestra Prague und der Mat Sinner Band verbanden, war das berühmte Tüpfelchen auf dem „I“. Eines brachte der Abend aber schnell zum Vorschein: Nicht immer eignet sich eine Halle für so ein bahnbrechendes Ereignis. Den gesamten Abend über versuchten die Techniker ihr Bestes, um den korrekten Sound zu finden, der die Halle in einen symphonischen Spielort verwandeln würde. Leider ist dieses nicht wirklich gelungen. Gut, dass ich in der 2. Reihe direkt vor der Bühne gesessen habe. So kam ein wenig mehr von dem rüber, was diesen Abend zu etwas besonderen machen sollte - ROCK MEETS CLASSIC. Auch wenn die Band eine ganze Weile Anlaufschwierigkeiten besaß, um sich auf die Orchestermusiker einzuschießen, so gelang dieses mit Fortschreiten des Abends immer besser. Vor allen die ruhigen und leisen Songs der Protagonisten konnten sich zu einem symphonischen Ganzen verbinden. Aber auch Ian Gillans Deep Purple Klassiker ließen nichts daran zu deuten übrig, dass diese Old School Rockband aus den 70ern zurecht ein wenig als Pioniere dieses Genre gesehen werden. Hier wurde aus dem phasenweisen, öden Parallelspiel von Rockband und Orchester endlich ein Gesamtkunstwerk, was den Namen der Konzertreihe verdient hatte. Nichts desto trotz war es ein gelungener Abend, den ich an anderer Stelle gern einmal in dieser Form wiederholen würde.

Links:

Webseite: Rage - hier
Webseite: Barclay James Harvest - hier
Webseite: Helloween - hier
Webseite: Ian Gillan - hier
Webseite: Steve Lukather - hier
Webseite: Chris Thompson - hier
Webseite: Jimi Jamison - hier
Webseite: Robin Beck - hier
Webseite: Mat Sinner Band - hier

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