„Freunde & Propheten“ ist für mich eines der herausragenden Alben, die MAFFAY & BAND je in ihrem deutschsprachigen Sektor produzieren konnten. Das Album hat für mich musikalische und inhaltliche Qualitäten, vor denen man nur den Hut ziehen kann. Ich würde sogar so weit gehen, dass dieses Album in einer Reihe mit Grönemeyers „Bochum“ und Westernhagens „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ bestehen kann und zur deutschsprachigen Musikgeschichte zu zählen ist.

Peter Maffay ist ein Wanderer durch die verschiedenen Stilistiken der Musik, dem das auch nach etlichen Jahrzehnten von seinem engsten Fankreis nicht verübelt wird. Bedeutender ist aber hier, dass seine Vertragspartner in Sachen Musik sich dieses gefallen lassen. Er wird zeitweise von der Presse zum größten oder erfolgreichsten Rockmusiker Deutschlands hochsterilisiert, was sicherlich auch mit seinem sozialen Engagement zu tun hat. Das ist in Ordnung so! In der Musik erlebt dieser genau wie jeder andere Musiker Höhen und Tiefen, die er meistert und an denen er als Mann der Öffentlichkeit wächst. Bis zum Erscheinen von „Freunde & Propheten“ war Peter Maffay auch bei mir kein Unbekannter, konnte aber über ein Status des Schnulzen-Peter nicht hinauswachsen. Dieses lag sicherlich auch daran, dass man schon zu jener Zeit im deutschen Rundfunk nur seine Schmachtfetzen aus den Anfängen zu hören bekam, die mich auch im Jahr 2010 nicht begeistern können. Erst mit der Ausstrahlung eines Konzerts im TV wurde ich auf diesen Balladenkönig aufmerksam, der scheinbar mehr zu bieten hatte, als es „Du“ und „Es war Sommer“ wiederzugeben vermag. Seit "Freunde & Propheten" begleite ich mehr oder weniger den musikalischen Weg des Gesamtprojekt "MAFFAY".

Das Album „Freunde & Propheten“ war anders, ist bis heute anders und wird vermutlich auch in Zukunft anders sein, als alles was Maffay & Band danach (davor sowieso nicht!) in Angriff genommen haben. So eine qualitative Kompaktheit habe ich nie wieder auf einem Maffay Album erleben dürfen. Ein nachdenkliches, anstoßendes und rundum perfektes Album ist dem Team um Maffay gelungen, zu dem 1992 Bertram Engel, Carl Carlton, Frank Diez, Jean Jacques und Pascal Kravetz, Colin Hodkinson, Bobby Stern und Anne Haigis gehören.

Wenn der letzte Regen fällt“ ist der Opener des Album, der den Unfall in einem Kernkraftwerk der sowjetischen Republik zu Anlass nimmt, um ein Weltuntergangszenario in 5 Minuten zu zeichnen, dass eindringlich vor den Gefahren einer unfassbaren Technologie warnt. Warnen, aufzeigen und klar auf den Punkt bringen, dass sind Attribute die mir einfallen, wenn ich über die einzelnen Songs schreiben möchte. Das zieht sich irgendwie durchs ganze Album und gibt diesem sogar ein wenig ein Konzept. So auch bei „Falsche Propheten“ und „Der Weg“, die sich allgemein mit den irrwitzigen Versprechungen und Gedanken von den unterschiedlichen Religionen, die sich ähnlich geben und von jeder Seite missbraucht werden, beschäftigen.

"Pass auf" gehört für mich zu den Maffaysongs, die mich durch ihre Aussagekraft in meinem Leben bis heute begleiten und die mir in ganz bestimmten Situationen im Gedächtnis erscheinen. In einer abgewandelten Form setzt dieser Song textlich den Spruch "Man sieht sich immer zwei Mal im Leben" gekonnt um! 
Hier kann ich mir sogar vorstellen, dass es Peter Maffay recht gut getan haben könnte, einmal so einen Song seinen Gegnern, Konkurenten und Ablehnern unter zu jubeln, ohne dass dieses von der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen wurde.

Solche mutige Ideen greife ich gern auf, auch wenn es bei mir ein wenig deutlicher ausfällt: Ich widme den Song "Pass auf" all denjenigen, die sich an mir versucht haben aufzubauen oder es in Zukunft noch versuchen werden. "Freu Dich (Euch) nicht zu früh!" - es wird erst vorbei sein, wenn ich die Bühne dieses blauen Planeten für immer verlassen habe. Bis dahin wird es mit ziemlicher Sicherheit immer Leute geben, die mich gern einmal können und denen ich dabei höflich ins Gesicht lächle.

Soldat“ wiederum stellt den Bewohnern unseres blauen Planeten ein deutliches Zeugnis der Unvernunft aus, die wieder einmal Waffen als möglichen Lösungsweg für Konfliktbewältigung heraufbeschwören. Gelungen finde ich sogar die direkte Aufforderung an die Soldaten, die Waffe aus der Hand zu legen und sich nicht zum Instrument für die Unfähigkeit der Weltpolitik machen zu lassen. Auch wenn man hier Maffay und seinen Männern ein wenig Selbstüberschätzung entgegenbringen kann (kein Maffay der Welt wird dieses erreichen), so ist es doch ein klare Aussage gegen die Kriegstreiber.


Natürlich kommt auch Peter Maffay auf diesem Album nicht mit der typischen Gefühlsduselei aus. Bester Beweis sind „Frag nicht warum“, „Wie Feuer und Eis“, „Am Ende der Nacht“. Trotzdem unterscheiden sich die Songs von seinen Vorgängern aus den vergangenen Jahrzehnten. Sie strahlen mehr denn je Reife und Stil aus und sind nicht so sehr an dem schlagerhaften Pomp der 80er ausgerichtet. Detailverliebte Sequenzen und Spielereien innerhalb der Musik machen einige der Tracks zu etwas hochwertigem. Herausheben möchte ich hier den Song „Die Zeiten sind hart“, der als wunderbare Akustik - Gitarrennummer aufgezogen wurde.

Für immer Freunde“ ist an textlicher Genialität hingegen nicht mehr zu überbieten. Egal worum es in unterschiedlichen Auseinandersetzungen geht, ob politisch, religiös oder zwischenmenschlich - wer sich mit diesem Song beschäftigt, wird immer die Lösung in genau diesem Textbausteinen finden. Das muss einem erst einmal einfallen. Die Gitarrenlastigkeit und der melodiöse Charakter des Songs tut sein übriges und ist für mich der richtig gewählte finale Ausstieg aus dem Album.


Freunde & Propheten“ - das ist für mich der Meisterbrief von Maffay & Band. Das Album allein hat ereicht, dass ich seither größten Respekt gegenüber dem Musiker Peter Maffay empfinde, auch wenn ich weiterhin nicht alle musikalischen Brücken, die dieser rumänischstämmige Allrounder bauen möchte, überschreiten werde. Trotzdem behalte ich seit dieser Zeit die Musik von Maffay & Band im Blick und bin immer wieder beeindruckt, wie sich diese Musiker in dem markannten Maffayrock hin und her winden, der sich zwischen provokativen Deutschrock und schlagerhafter Beseeltheit vollendet...



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