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„Lingua
Mortis“ ist ein Meilenstein in der Musik. Keine andere Band
hat es bis heute so verstanden, die harten Riffs des Metal mit den
weichen Klängen eines Symphonieorchester zu verbinden. Wenn
dann noch dazu kommt, dass es sich hierbei um eine Band aus dem
Ruhrpott handelt, dann kann jeder hier nachvollziehen, dass auch in
unseren Breitengraden Musiker im Stande sind internationale
Musikgeschichte zu schreiben. Nun kann sich jeder selbst
überlegen, warum man in unserem Land solche interessante
Projekte und solche Erfolge nicht auch in der Öffentlichkeit
feiert und würdigt.
Rage ist mit „Lingua Mortis“ ein großer
Wurf gelungen, der sich bis heute zum Side-Projekt entwickeln konnte
und seit 2010 von ihrer Plattenfirma „Nuclear
Blast“ eigenständig gefördert wird. Zu den
damaligen Protagonisten gehören Spiros Efthimiadis, Christos
Efthimiadis, Sven Fischer und der Bandleader Peter
„Peavy“ Wagner. Sie wagen sich 1996 an ein
Experiment, was Maßstäbe setzt und eine neue Welle
der klassischen Aufarbeitung der eigenen Songs im Bereich des Hard Rock
und Metal in den nächsten Monaten einläutet.
Metallicas „S&M“ oder das „Moment
of Glory“ - Projekt der Berliner Philharmoniker sind solche
Projekte, die zwar nicht bestätigen, dass man sich von Rage
inspirieren lassen haben will, die aber Monate nach Erscheinen des
Klassik Projekts von Rage auf einem Silberling in deren
Fußstapfen treten. Rage haben aber nicht nur in der
Musik eine Modewelle
losgetreten, sondern haben viel mehr den Grundstein für mein
Interesse an solchen symphonischen Projekten gelegt. Mittlerweile habe
ich hier mir im Laufe der Zeit eine umfassende Sammlung an
symphonischen Umsetzungen zugelegt, die aus allen Bereichen der Musik
zusammengetragen worden sind. So stehen Hard Rock, Metal, Deutschrock,
deutscher Rap, Mittelalterrock, Chanson und Pop in
einträchtiger Andacht nebeneinander.
Keines
dieser Werke konnte aber „Lingua Mortis“ von
seinem Thron stoßen. Seit 1996 stehen die Klassik Metaller
unangefochten auf meiner persönlichen Poleposition der
„Klassik meets ...“ Projekte. Keiner der Bands und
Künstler hat sich so intensiv auf die Musiker eines Orchester
eingelassen, ihnen Raum zur Entfaltung gegeben und so perfekt mit ihnen
gespielt wie diese Band. Auch das Orchester (Radio Symphonic Orchestra
Prag) konnte von dieser Zusammenarbeit profitieren. Man steht im Hard
Rock und Metalbereich Schlange, um mit ihnen zu arbeiten. Dabei
nutzt man nicht eine große Anzahl von Songs, die man
klassisch umsetzen wollte, sondern sucht scheinbar gezielt nach einigen
wenigen umsetzbaren Tracks und wandelt sie in eine
zusammenhängende Power Metal Symphonie um.
Los
geht es auf dem Album mit „in a nameless time“
was mit einer Trommlersession und den symphonischen Klängen
des Orchester gleich für richtig Furore sorgt. Hier zeigt sich
schon, dass Peavy und seine Mannen sich dem symphonischen Gedanken voll
unterworfen haben und die Stilzüge des Metal gekonnt beiseite
legen, ohne das der Charakter des Originalsongs vom
„Black in Mind“ - Album zerstört worden
wäre. Sowohl Drums, als auch E - Gitarren sind hier in der
richtigen Dosierung eingesetzt, so dass die Musiker des Orchester nicht
untergraben werden. Die nächsten 11 1/2 Minuten sind
höchster Hörgenuss für meine Ohren. Schon
beim 2 Track „alive but dead" ist selbst meine Musikanlage
von der Umsetzung so begeistert, dass sie versucht, jedem einzelnen
Instrument der Musiker des Orchester einen würdigen Platz in
meiner kleinen Wohnen zu geben und diese in einen wohldurchdachten
Konzerttempel zu verwandeln. Mittlerweile hab ich hier schon das
Gefühl, dass die Musiker des Orchester samt der Metal Band
sich auf meinem Sofa drängeln, um mir ein schier unendliches
musikalisches Erlebnis zu bescheren. Mit „don‘t
fear the winter“, „black in mind“,
„firestorm“, „sent by the
devil“ und „lost in the ice“ werden
gleich 5 Power Metal Nummern zu einem eingängigen Symphonic
Medley zusammengeschraubt, was den Zuhörer die
nächsten 15 Minuten bindet und sich nahtlos an seine
Vorgänger anschmiegt, so dass alle Tracks auf dem Album zu
einer Rage Sinfonie verschmelzen. „All this time“
zeigt wiederum, dass nicht nur Power Metal Tracks in ihrer Umsetzung
einen eigenen Charakter entwickeln können. Auch Balladen
eigenen sich hervorragend, um von einem Orchester verwandelt zu werden.
Dabei spielt die kraftgeladene Stimme von Peavy eine gewichtige Rolle,
der selbst solche Nummern nicht zu einer öden Popballade
verkommen lässt. Nicht genug, dass dieses Album vor
symphonischen Streicheleinheiten nur so strotz, so bekommt das
Orchester
am Schluss des Album sogar noch einen eigenen Platz, um sich nun
endgültig ein Denkmal zu setzen. Die 6minütige
Instrumentalversion von „alive but dead“ zeigt
in Vollendung, was ein überlegter Einsatz eines
Orchesters auslösen kann.
Was
Peavy Wagner mit seinen Mannen 1996 losgetreten haben, hat in der
Musik Maßstäbe gesetzt, auch wenn es niemand zugeben
möchte und viele an dieser Messlatte scheitern werden. Aber
Rage haben eindrucksvoll bewiesen, dass eine Symbiose aus Metal und
Klassik mit der nötigen Ernsthaftigkeit des umgesetzten
Gedanken zu einer Erfolgsgeschichte werden und auch Jahrzehnte
später noch geschrieben werden kann. Mein ehrlicher Dank geht
an Rage und alle Orchestermusiker für diese Leidenschaft... |
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